foobar

Sparkassen-Tourismusbarometer Mecklenburg-Vorpommern – positive Halbjahresbilanz, MV-Tourismus braucht Arbeitspakt

Urlauber empfehlen „Urlaub in MV“

Gut Landsdorf, 13. September 2019   

Mecklenburg-Vorpommern bleibt eine Top Urlaubsadresse. Das Land steht für Qualität der Übernachtungsquartiere und gute Gästebewertungen. Das geht aus dem Sparkassen-Tourismusbarometer 2019 des Ostdeutschen Sparkassenverbandes (OSV) hervor, dessen landesspezifische Ergebnisse der OSV am Freitag auf Gut Landsdorf in Tribsees vorstellte.

„Urlaub in Mecklenburg-Vorpommern hat viele Freunde. Die vielen Stammgäste darunter sind die besten Werbeträger“, hob der Geschäftsführende OSV Präsident Dr. Michael Ermrich hervor und forderte die Touristiker auf, nicht nachzulassen, damit das auch so bleibt: „Investitionen in Gästezufriedenheit und Qualitätssicherung sind wichtig. Das Thema Arbeitskräftemangel müssen alle relevanten Institutionen noch stärker als bisher gemeinsam angehen.“

Das hohe Nachfrageniveau konnte gehalten werden. Mecklenburg-Vorpommern lag 2018 mit 30,9 Millionen Übernachtungen klar über der 30-Millionen-Marke. Im ersten Halbjahr 2019 meldeten die Betriebe in MV über 3,6 Millionen Gästeankünfte (+ 10,3 Prozent gegenüber Vorjahreszeitraum) und knapp 13,5 Millionen Übernachtungen (+ 14,5 Prozent gegenüber Vorjahreszeitraum).

Die auffällig hohen Zuwachsraten sind nicht  nur der guten Arbeit, sondern auch der Statistik geschuldet. Ein Grund für die hohen Zuwachsraten ist die aktuelle Berichtskreisprüfung des Statistischen Landesamtes Mecklenburg-Vorpommern. Seit August 2018 erfolgt hier die Integration weiterer Betriebe in die amtliche Tourismusstatistik. Besonders Apartmentvermittlungen waren davon betroffen. Dies war jedoch kein realer Kapazitätsausbau im Betriebstyp der Ferienwohnungen/-häuser, sondern eine Verschiebung von vormals im Bereich der Privatvermieter gelisteten Betrieben und Übernachtungen in die berichtspflichtige Gruppe der Betriebe ab 10 Betten. Um diesen Effekt herauszurechnen, wurde im Rahmen des Sparkassen-Tourismusbarometers eine Modellrechnung durchgeführt. Nach diesen Ergebnissen verzeichnete das Reiseland Mecklenburg-Vorpommern im 1. Halbjahr 2019 ein leichtes Wachstum der Übernachtungen von 1,7 Prozent.

Deutschlandweit legten die Gästeankünfte von Januar bis Juni 2019 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 3 Prozent zu und die Übernachtungen stiegen um 3,7 Prozent.

Reisegebiete durchweg im Plus

Die amtliche Statistik weist mit der laufenden Berichtskreiserweiterung deutlich positive Halbjahresbilanzen in den Reisegebieten Mecklenburg-Vorpommerns aus, die mit den Vorjahreszahlen nicht vergleichbar sind. Auch hier gibt das Sparkassen-Tourismusbarometer Orientierung durch eine realistische Einschätzung.

Nach den exklusiven Ergebnissen der Modellrechnung verzeichnete die Region Vorpommern im Zeitraum Januar bis Juni 2019 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum Übernachtungszuwächse von +0,7 Prozent, Rügen/Hiddensee +0,1 Prozent, die Mecklenburgische Ostseeküste +2,5 Prozent, die Mecklenburgische Schweiz und Seenplatte +6,3 Prozent und Westmecklenburg +1,3 Prozent.

Gäste zufrieden – Schwachstellen zunehmend kritisch

Die Gäste in Mecklenburg-Vorpommern sind insgesamt zufrieden mit ihren Urlaubsunterkünften. Im Bundesländervergleich rutschte Mecklenburg-Vorpommern in den letzten Jahren allerdings von Rang 2 auf Rang 5 ab.

Das Land erreichte 2018 einen Trust Score von 83,3 Punkten, das sind 0,6 Punkte mehr als 2017 und übertrifft leicht den ostdeutschen Trust Score (83 Punkte), bleibt aber nach erneut knapp unter dem deutschlandweiten Wert (83,5 Punkte). Der Trust Score fasst Gästebewertungen auf rund 250 Onlineplattformen für Unterkunftsbetriebe zu einem Gesamtwert der Gästezufriedenheit zusammen, maximal 100 Punkte können erreicht werden.

In den Reisegebieten erreichte der Trust Score 2018 überdurchschnittlich hohe Werte in Vorpommern (84,1 Punkte, 0,6 Punkte mehr als 2017) und auf Rügen/Hiddensee (84 Punkte, 0,8 Punkte mehr als 2017), gefolgt von den leicht unter dem Landesdurchschnitt liegenden Reisegebieten Mecklenburgischen Schweiz/Seenplatte (83,2 Punkte, 0,1 Punkte weniger als 2017), Westmecklenburg (82,3 Punkte, 0,7 Punkte mehr als 2017) und Mecklenburgische Ostseeküste (82,2 Punkte, 1 Punkt mehr als 2017).

Das Tourismusbarometer sieht kaum Serviceprobleme bei den Unterkünften. Der Service erreicht in Mecklenburg-Vorpommern Werte von 89,3 Punkten. Noch besser bewerten die Gäste nur noch die Lage und das Gesamtbild der Unterkunft (Location) mit 90,1 Punkten. Deutliche Kritik in Form von Negativbewertungen äußern die MV-Urlauber bei Zimmern (71,3 Punkte) und Preisen (67,7 Punkte). Dies ist ein klarer Hinweis auf Investitionsbedarf.

Schlusslicht mit Abstand ist die Internet-Versorgung mit WLAN (38,4 Punkte). Derzeit werden an vielen Stellen in den Tourismusgebieten Mecklenburg-Vorpommerns WLAN-Hotspots errichtet, um die Digitalisierung voran zu treiben.

Gastgewerbe stabil

Das Gastgewerbe in Mecklenburg-Vorpommern hat sich wirtschaftlich stabilisiert. So ist die Umsatzrendite im Gastgewerbe von 9,2 Prozent im Jahr 2012 auf 12,4 Prozent in 2017 gestiegen, im gleichen Zeitraum legte die Eigenkapitalquote von 3,8 Prozent (2012) auf 10,9 Prozent (2017) zu.
Die positiven wirtschaftlichen Kennzahlen verschaffen den gastgewerblichen Betrieben Spielräume für Investitionen in Strategien für die Zukunft. Die  hohe Wettbewerbsintensität erfordert diese auch zu nutzen.

Arbeitspakt für MV-Tourismus

Arbeitskräfte werden in der Servicebranche Tourismus zur Mangelware. Die Hälfte aller Betriebe in Mecklenburg-Vorpommern können offene Stellen länger nicht besetzen. Jeder vierte Ausbildungsplatz bleibt ungenutzt. Das führt bereits schon jetzt zu Qualitätseinbußen oder zu Einschränkungen des Angebotes. Dabei hat das Gastgewerbe eine steigende Bedeutung in Mecklenburg-Vorpommern. Der Anteil sozialversicherungspflichtig Beschäftigter im Gastgewerbe an allen Branchen ist seit 2013 (6,3 Prozent) auf 6,5 Prozent in 2018 gestiegen.

In der neuen Landestourismuskonzeption Mecklenburg-Vorpommern sind Maßnahmen gegen den Arbeitskräftemangel vorgesehen. Dazu ist vorgesehen, auch die Zufriedenheit der in der Tourismusbranche Beschäftigten zu erhöhen und die Attraktivität der Tourismusbranche als Arbeitgeber zu steigern. Ein Baustein ist die geplante Imagekampagne des Dehoga Mecklenburg-Vorpommern, zugeschnitten auf Jugendliche in der Berufsorientierung, zum Beispiel mit Präsenzen in Schulen und Roadshow mit Food-Truck-Anhänger, und maßgeblich finanziert durch das Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Gesundheit Mecklenburg-Vorpommern.

Das Tourismusbarometer fordert die Unternehmen, die Kammern, die zuständigen Ministerien, die tourismusrelevanten Fachverbände auf Landes- und Bundesebene und die Gewerkschaften in Mecklenburg-Vorpommern und in den anderen Bundesländern zu einem Arbeitspakt Gastgewerbe auf.

Weitere Informationen zum Tourismusbarometer im Internet unter:

www.tourismusbarometer.de