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Sparkassen-Tourismusbarometer thematisiert Corona-Krise

Berlin, 6. April 2020  Im März erschien sie den Veranstaltern zunächst unvorstellbar – sie war dann der Beginn einer beklemmenden Entwicklung: die Absage der Internationalen Tourismusbörse (ITB), der weltweit größten Fachmesse der Tourismusbranche. Binnen weniger Wochen hat die Coronavirus-Pandemie auch die Tourismuswirtschaft fast völlig zum Erliegen gebracht. Mobilität ist auf das Lebensnotwendige beschränkt. So vernünftig und erforderlich die Maßnahmen gegen die weitere Ausbreitung des Coronavirus sind, so verheerend wirken sie sich auf die Betriebe und die Destinationen aus.

Die Politik und die Finanzbranche haben in dieser Krise sofort reagiert. In kürzester Zeit wurden Hilfs- und Rettungsmaßnahmen für die gesamte Wirtschaft auf den Weg gebracht, allein im Bundestag 750 Milliarden Euro, die Länder flankieren diese Hilfe mit eigenen Programmen. Unser Land ist auch in schweren Zeiten handlungsfähig.

Die 45 OSV-Sparkassen in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und Sachsen-Anhalt ermöglichen umfangreiche Hilfen für die von der Corona-Krise betroffenen Firmenkunden und Selbstständige. „Wir erleben eine Bewährungsprobe für alle“, sagte der Geschäftsführende Präsident des Ostdeutschen Sparkassenverbandes (OSV), Dr. Michael Ermrich. „Die Sparkassen setzen alles daran, ihre Firmenkunden in dieser schwierigen Zeit zu unterstützen.“ Der wirtschaftliche Druck ist groß, die tatsächlichen Folgen der Krise noch nicht absehbar.

Die abgesagte ITB war auch das Aus für das OSV-Tourismusforum, die größte und renommierteste Fachveranstaltung. Der Ostdeutsche Sparkassenverband hatte zum 23. Mal zum Tourismusforum eingeladen. Rund 700 Gäste waren neugierig, die aktuellen Ergebnisse des Sparkassen-Tourismusbarometers zu erfahren. Und die bis dahin vorliegenden Zahlen hätten allen Anlass geboten, optimistisch in das Reisejahr 2020 zu schauen. Heute ist alles Makulatur.

Zum jetzigen Zeitpunkt kann niemand genau sagen, wann wir schrittweise wieder zu einem normalen Leben und Arbeiten kommen. Es wird eine Zeit nach der Corona-Krise geben, in der das öffentliche Leben, die Freizeitgestaltung und das Reisen wieder anspringen. „Genau deshalb“, so der Geschäftsführende OSV-Präsident Dr. Michael Ermrich, „setzt der Ostdeutsche Sparkassenverband das Sparkassen-Tourismusbarometer dafür ein, wofür es bekannt ist und in der Branche, in der Politik sowie bei den Sparkassen und ihren kommunalen Trägern geschätzt wird: Es bietet Orientierung anhand von belastbaren Daten und wissenschaftlich fundierten Einschätzungen.“

Tourismusbarometer stellt Benchmark-Wissen zur Verfügung

Das Tourismusbarometer hat rasch reagiert, sein Arbeitsprogramm geändert und greift die aktuelle Krisensituation auf. Es stellt den Sparkassen und ihren kleinen und mittelständischen Firmenkunden und ihren kommunalen Partnern Benchmark-Wissen zur Verfügung, Schritt für Schritt und immer dann, wenn belastbare Daten vorliegen. Die Berechnungen dazu führt in gewohnter wissenschaftlicher Qualität die dwif-Consulting durch.

Hochrechnung: 2,6 Milliarden Euro Verlust in ostdeutschen Destinationen

Geht man davon aus, dass die Reise- und Bewegungseinschränkungen nur bis Ende April andauern, ist mit rund 2,6 Milliarden Euro Verlust in den ostdeutschen Destinationen durch die Auswirkungen des Coronavirus allein im März und April 2020 zu rechnen. Der Tagestourismus hat daran einen Anteil von 50 Prozent. Die Folgen für den Arbeitsmarkt sind derzeit noch nicht seriös abzuschätzen.

1,3 Milliarden Euro Umsatzausfall im Übernachtungstourismus

Die Nachfrage bei Übernachtungen in diesem Zeitraum wird in Ostdeutschland voraussichtlich zwölf bis 15 Prozent (abhängig vom Bundesland und Destinationstyp) betragen. In vorläufigen Schätzungen geht dies mit Umsatzausfällen in Höhe von bis zu 1,3 Milliarden Euro einher.

Neben den akuten Effekten sind im weiteren Saisonverlauf 2020 Folgen zu erwarten: Urlaubsgebiete müssen sich aufgrund von Stornierungen und einer Zurückhaltung bei Vorbuchungen, z. B. aufgrund eines subjektiven Unsicherheitsempfinden, auf extreme Nachfragerückgänge einstellen. Sie können allenfalls auf ein Kurzfristgeschäft hoffen.

Auch in Städten mit starkem Veranstaltungsgeschäft ist eine weitere Zuspitzung zu erwarten: Immer mehr Veranstaltungen auch für den Mai oder Juni 2020 sind oder werden abgesagt. Der internationale Reiseverkehr wird länger brauchen wird, um wieder anzuspringen.

Das Tourismusbarometer rät den Betrieben und Destinationen in Ostdeutschland, sich schon jetzt auf die Zeit nach der Krise einzustellen. Dazu können die Gastgeber kurzfristige Maßnahmen umsetzen, wie z. B. eine aktive transparente Kommunikation betreiben, innovative virtuelle Erlebnisse entwickeln oder Alternativmärkte erschließen.

DEHOGA-Umfrage: Rückgang der Unternehmensumsätze

Eine DEHOGA-Blitzumfrage im Gastgewerbe Anfang März, an der knapp 10.000 Betriebe aus ganz Deutschland teilnahmen, zeigt wie früh die Kunden reagiert haben. Bereits vor landes- und bundesweiten Maßnahmen, wie dem touristischen Übernachtungsverbot oder Gastronomieschließungen, gingen die Umsätze bis 4./5. März um 31 Prozent zurück, die Neubuchungen sogar um 38 Prozent.

Fixkosten bei Umsatzeinbußen belasten Branche schwer

Durch die vergleichsweise niedrigen Eigenkapitalquoten verfügen die meisten gastgewerblichen Betriebe über wenig Reserven, eine derartige Krise länger durchzustehen. In Ostdeutschland sind die Gastronomiebetriebe besser aufgestellt als im Bundesdurchschnitt. Doch nicht nur die dramatischen Umsatzeinbußen treffen die Branche. Die hohen Fixkostenbelastungen stellen ein weiteres Problem dar. Personal- und Mietaufwandsquoten zwischen 35 und 46 Prozent schränken die Liquidität ein.

Für viele Betriebe ist daher eine schnelle Unterstützung von außen wichtig. Staatliche Hilfsmaßnahmen in Form von Kapitalzuflüssen oder Kostenentlastungen müssen die Betriebe schnell und unbürokratisch erreichen. Zusätzliche Zinsbelastungen und Umsatzeinbußen können künftige Investitionen behindern. Es ist zu erwarten, dass sich nach Ende der Corona-Krise die Gastronomie schnell und die Beherbergung mittelfristig regeneriert.

Das Sparkassen-Tourismusbarometer beobachtet die aktuelle Entwicklung weiter. Voraussichtlich Anfang Mai berichtet der OSV ausführlicher über die neuen Zahlen und Trends. Das Schwerpunktthema in diesem Jahr „Agilität und neues Arbeiten im Tourismus“ wird dann auch gebührend behandelt.